Stimmen aus der Tiefe der Zeit

Ausschnitt aus: Geschwisterlich am Rocksaum der Tragödie hängend, einzig schwer das Urteil stemmend.Klicken um Bild zu vergrößern

Ausschnitt aus: Geschwisterlich am Rocksaum der Tragödie hängend, einzig schwer das Urteil stemmend.

Literarische Finissage zur Ausstellung von Roland Stratmann

Sonntag, 05. Februar 2012, 11.30 Uhr, Stadtmuseum

Am Sonntag, den 05. Februar endet im Stadtmuseum Borken die Ausstellung „Die Linie falten“ mit Zeichnungen des Wahlberliners Roland Stratmann. Der zugehörige Katalog ist in der Fachwelt bereits ausführlich gewürdigt worden: „Der jüngst im Verlag für moderne Kunst erschienene Band widmet sich auf einfühlsame Weise dem zeichnerischen Œuvre des 1964 im nordrhein-westfälischen Weseke geborenen Künstlers. Dabei werden dem Leser motivische Fabulierfreude, philosophische Durchdringung, poetische Verschmelzung von Bild und Sprache sowie eine tänzerische Leichtigkeit und durchdachte Präzision der Linie in Bild und Text vermittelt.“ Und resümierend heißt es: „Mit ‚Roland Stratmann – Die Linie falten’ ist ... ein wunderbarer Band gelungen, der den Leser sowohl durch drei klug geschriebene Beiträge als auch die wunderbaren Werkabbildungen in den Bann zu ziehen versteht. Roland Stratmanns Zeichnungen sind kleine Stromschläge auf unserer Netzhaut, Wege in eine andere Welt, die das Vertraute umstülpen, hinterfragen und den Betrachter zu einem wichtigen Akteur werden lassen“ (www.portalkunstgeschichte.de).

Stratmanns Endloszeichungen haben in den zurückliegenden Monaten auch großes Interesse bei Borkener Schulen gefunden, die mit ihren Schülerinnen und Schülern im Kunstunterricht genau diese Technik erproben. Eine kleine Auswahl von Zeichnungen aus der Nünning-Realschule, die mit Witz und Können überraschen, wird im Rahmen einer Finissage am kommenden Sonntag zu sehen sein.

Im Mittelpunkt steht eine literarisch-musikalische Collage zur schillernden mythologischen Figur der Medea, der Roland Stratmann eine ganze zeichnerische Serie gewidmet hat. Vor dem Hintergrund der antiken griechischen Argonautensage vereinen sich in ihr die Ehefrau, Zauberin und Heilerin, die leidenschaftlich Liebende und die aus dem Osten stammende ‚vorzivilisatorische Barbarin’, die Mutter und betrogene Gattin, die Mörderin und Kindsmörderin. Der griechische Dramatiker Euripides verlieh ihr mit seiner Tragödie Medeia schon im 5. Jahrhundert v. Chr. literarische Gestalt. Da der Medea-Stoff wesentliche Aspekte dessen verkörpert, was Mythen für die Kultur der Moderne bedeuten, fand und findet er bis in unsere Gegenwart eine vielfältige Gestaltung in Dichtung, Kunst, Musik, Literatur und Film. Vor dem Hintergrund vielfältiger Migration gewinnt der Medea-Mythos gegenwärtig neue Aktualität, in Roland Stratmanns Serie tritt sie uns in einer Burka entgegen.

Im Rahmen der Finissage präsentieren die Theater-Enthusiasten Ina Rawert-Beerlage (Stadtlohn) und Dietrich Roth (Borken) eine literarisch-musikalische Collage aus Christa Wolfs Roman „Medea. Stimmen“. Der versierte Jazz-Musiker Achim Kämper (Dortmund) kommentiert und akzentuiert die szenische Lesung mit perkussiven und elektronischen Klängen. Roland Stratmann ist anwesend und gibt im anschließenden Künstlergespräch Aufschluss über seine Zugänge zum Medea-Sujet und über seine künstlerische Arbeit. Das Stadtmuseum lädt alle Freundinnen und Freunde der Kunst und des Museums zu dieser Finissage herzlich ein.

Beginn: 11.30 Uhr
Eintritt frei

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