Mit Google Translate kann diese Webseite in andere Sprachen übersetzt werden. Wenn Sie eine Sprache auswählen, rufen Sie Inhalte auf Google-Servern ab. Der Webseitenbetreiber hat keinen Einfluss auf die Verarbeitung Ihrer Daten durch Google. Wenn Sie nicht möchten, dass Ihre Daten an Google übermittelt werden, schließen Sie dieses Fenster mit einem Klick auf "X".
Um die Sprachwahl nutzen zu können, müssen Sie zunächst das Laden von externen Komponenten erlauben.
21. Juli 2026
Der ehemalige Stadtarchivleiter Dr. Norbert Fasse kann das Projekt einer dreibändigen Borkener Stadtgeschichte nicht bis zum Abschluss begleiten. Aus gesundheitlichen Gründen gibt er seine Tätigkeit als Mitherausgeber der noch ausstehenden Bände 2 und 3 auf. Die Entscheidung ist ihm nicht leichtgefallen und wird von allen am Projekt Beteiligten bedauert.
Mit einer mehrbändigen Stadtgeschichte hatte der Historiker noch einmal ein bedeutendes Vorhaben angestoßen. Gemeinsam mit den weiteren Beteiligten entwickelte er die inhaltlichen und redaktionellen Grundlagen eines Projekts, an dem rund 20 Autorinnen und Autoren mitarbeiten, um über wenig erforschte Aspekte und noch nicht zusammenhängend dargestellte Abschnitte der Geschichte Borkens und seiner Ortsteile zu schreiben. Der erste Band wurde im Oktober vergangenen Jahres vorgestellt.
Dr. Norbert Fasse hat die Museums- und Archivarbeit der Stadt Borken über viele Jahre geprägt. Im Jahr 2000 wurde er als erster hauptamtlicher Leiter des damaligen Stadtmuseums und des Stadtarchivs eingestellt. Das seinerzeit stark heimatkundlich ausgerichtete und modernisierungsbedürftige Museum entwickelte er konzeptionell weiter und öffnete es für neue Publikumskreise. Er setzte sich für eine moderne Aufbereitung der Stadtgeschichte ein und profilierte das Haus am Markt als „kulturellen Ort“. Mit Unterstützung des Heimatvereins, des Kunstvereins, der Initiative Kleinkunst, des Vereins Leselust, der Volkshochschule und der Kreiskulturabteilung erhielten neben der Stadtgeschichte und einer neuen Reihe „Geschichte ist mehr“ auch Sonderausstellungen zu bildender Kunst und niederländischer Druckgrafik einen festen Platz, außerdem Kleinkunst-Konzerte, Literatursessions und Begleitveranstaltungen zu laufenden Ausstellungen. Dank räumlicher Erweiterungen konnte Fasse im Erdgeschoss mit historischen Druckpressen aus Borkener Betrieben eine Buch-Druck-Kunst-Werkstatt einrichten. Sein für das Landesförderprogramm Regionale 2016 geschriebenes Konzept brachte das Museumsprojekt sicher über die erste Qualifizierungshürde und ebnete den Weg zum heutigen FARB – Forum Altes Rathaus Borken.
Nach seinem Wechsel in das Stadtarchiv konzentrierte sich Dr. Fasse auf die fachliche Verbesserung dieser bislang weitgehend ehrenamtlich betreuten, im Diebesturm untergebrachten Einrichtung. Nach personeller Verstärkung durch Dipl.-Archivar Thomas Hacker wurde das Stadtarchiv unter Fasses Leitung als moderner Ort der Forschung, Information und historischen Bildung weiterentwickelt. Ein besonderer Meilenstein war im Frühjahr 2023 der Bezug des neuen Stadtarchivs im Rathaus-Gebäude D. Barrierefreier Zugang, ein nutzerfreundlicher Lesesaal mit Präsenzbibliothek, zeitgemäße Präsentationsmöglichkeiten, archivgerechte klimatische Bedingungen und ausreichende Magazinkapazitäten schufen eine tragfähige Grundlage für die langfristige Sicherung und Nutzung der städtischen Überlieferung.
Die Veranstaltungsreihe „Geschichte ist mehr“ hatte Dr. Fasse in Kooperation mit der Volkshochschule und dem Heimatverein Borken vom Stadtarchiv aus fortgesetzt. Die Publikumszahl stieg sukzessive an, als am neuen Standort ein eigener Veranstaltungsraum zur Verfügung stand, Autorinnen und Autoren der neuen Stadtgeschichte ihre Themen vorstellten und während des Stadtjubiläums überregional bekannte Referentinnen und Referenten auftraten.
Daneben war Dr. Fasse wissenschaftlich tätig. Im Verlag für Regionalgeschichte richtete er 2001 eine Borkener Schriftenreihe für Ausstellungskataloge und stadtgeschichtliche Publikationen ein. Er forschte zur Geschichte der jüdischen Gemeinden Borken und Gemen, gab dazu mit Mechtild Schöneberg und Thomas Ridder einen Sammelband heraus und schrieb den umfassenden Einführungsteil. Für Publikationen der Gesellschaft für historische Landeskunde des westlichen Münsterlands schrieb er Beiträge, die das Wissen über die neuere Geschichte Borkens deutlich erweitert haben.
Die Stadt Borken dankt Dr. Norbert Fasse für sein langjähriges, außerordentliches Engagement, das auch der städtischen Erinnerungskultur galt. “Herr Dr. Fasse hat vieles in die Wege geleitet, was jetzt Früchte trägt“, würdigt Bürgermeisterin Schulze Hessing seine Tätigkeit bei der Stadt Borken. Viele der von ihm angestoßenen Entwicklungen würden über seine aktive Dienstzeit hinaus fortwirken.
Das Ausscheiden von Dr. Norbert Fasse aus dem Stadtgeschichtsprojekt erfordert trotz der umfangreichen Vorarbeiten eine Reorganisation des Herausgeberkreises, der mit Hochdruck daran arbeitet, Band 2 der Stadtgeschichte noch in diesem Jahr und Band 3 in 2027 zu veröffentlichen.