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Bildstocktour I

Seit Jahrhunderten prägen Bildstöcke und Wegekreuze diese Landschaft. Unsere Vorfahren nahmen sich beim Vorübergehen noch die Zeit für eine stille Andacht oder ein kurzes Gebet. Heute werden die Bildstöcke und Wegekreuze vielfach nicht mehr bewusst wahrgenommen und oftmals kennen wir auch nicht mehr die Gründe, die zur Aufstellung führten.


1 Doppelbildstock „Christus auf dem Ölberg“

Borken, Am Geelen Graben

Eine angesehene Bürgerfamilie dürfte 1701 den Bildstock gestiftet haben. Die Sockelinschrift nennt eine Maria Theben, Witwe des Johannes Ebelen. Im Dachaufsatz befindet sich ein von Engelsköpfen flankiertes Schild mit dem Wappen der Familie Ebelen auf der linken und der Hausmarke der Familie Theben auf der rechten Seite. Das Relief zeigt die Krönung Mariens durch die Dreifaltigkeit. Auf der anderen Seite findet sich eine Darstellung des betenden Jesus auf dem Ölberg. Im März 2002 ließ die Stadt Borken den arg verwitterten Bildstock durch ein Duplikat ersetzen.


2 Statue des hl. Johannes Nepomuk

Borken, Pfarrgemeinde St. Remigius, Papendiek

Die über 2 Meter hohe Nepomukstatue aus dem Jahr 1731 stand bis 1935 auf dem nordöstlichen Teil des Kirchplatzes an der Mühlenstraße. Nach einer Restaurierung stellte man die Figur am Papendiek am Wasser auf. Die Maße der Statue sind imposant. Die Figur ist überlebensgroß. Man erkennt Johannes Nepomuk an seinem Klerikergewand: über dem Priestertalar trägt er das knielange Rochett und ein Schultermäntelchen. Im Arm hält er das Kruzifix und die Märtyrerpalme. Der viereckige Sockel hatte ursprünglich auf allen vier Seiten Inschriften, von denen nur noch ein Teil zu lesen ist.


3 Missionskreuz

Borken, Pfarrgemeinde St. Remigius, Kirchplatz an der Remigiuskirche

Zum Andenken an eine „Volksmission“, die im April 1886 in Borken stattfand, ließ die Pfarrgemeinde dieses Kreuz errichten. Eine im Sockel eingelassene Inschrift verweist auf eine weitere Mission im Jahre 1913. Das Kreuz wurde bis Anfang der 1980er Jahre von einer Geißelsäule und einer Totenlaterne eingerahmt. Lag ein Familienmitglied im Sterben, konnten die Angehörigen in der Laterne Kerzen einsetzen. Das Ensemble aus Kreuz, Laterne und Geißelsäule ist bereits seit über zwanzig Jahren aufgelöst. Die Totenlaterne zum neuen Tabernakel umgearbeitet steht im Chor der Remigiuskirche. Die Geißelsäule steht heute im Sandsteinmuseum in Havixbeck als Beispiel für sakrale Volkskunst.


4 Bildstock „Dornenkrönung Christi“

Borken, Burloer Straße/ Ecke Am Armenkamp

Dieser Doppelbildstock entstand wahrscheinlich 1702 auf Anregung einer Familie Dieckmann. Zunächst stand er rund 180 Jahre an der Bahnhofstraße, später mehrere Jahrzehnte in der Nähe des Beckenbergs am Ramsdorfer Postweg. Mitte der 1930er Jahre ließ der Heimat- und Altertumsverein Borken den Bildstock an die Burloer Straße versetzen. Auf dem erhaltenen Relief ist die demütigende Krönung Jesu mit einer Dornenkrone zu sehen. Die lateinische Inschrift weist auf einen Kanonikus Theodor Antonius Ebelen als Helfer hin. Das wegen Verwitterung entfernte zweite Relief zeigte die Ausgießung des Heiligen Geistes. Heute erinnert neben dem Bildstock eine Bronzetafel an die im Zweiten Weltkrieg Gefallenen der Nachbarschaft Burloer Straße.


5 Bildstock mit Piéta

Borken, Familie Schmitz, Bocholter Straße 106

Vorfahren der heute noch wohnenden Familie Schmitz stellten im Jahre 1911 den Bildstock auf. Leider sind ihre Beweggründe nicht mehr bekannt. Sieben Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, 1952, erweiterte die Nachbarschaft „Willhelmshöhe“ den Bildstock um zwei Gedenktafeln. Diese trugen die Namen der Nachbarn, die im Krieg den Tod gefunden hatten. Im Frühjahr 1996 erfolgte eine vollständige Renovierung des Bildstocks. Dabei mussten die stark verwitterten Gedenktafeln ersetzt werden. Anstelle der Tafeln entschied sich die Nachbarschaft für einen Findling. Eine auf dem Stein befestigte Bronzetafel erinnert seitdem in anonymer Form an die Gefallenen und Verstorbenen der Nachbarschaft.


6 Wegekreuz "Dat iserne Krüs"

Borken, Weseler Landstraße 158

Seit vielen hundert Jahren erinnert hier ein Kreuz an eine Mordtat, für die es keine historischen Belege gibt. Lange Zeit markierte ein unscheinbares Holzkreuz die Stelle, an der 1680 eine Bäuerin auf dem Rückweg von einem Verkauf in der Stadt angeblich überfallen, ausgeraubt und ermordet wurde. Das ursprüngliche Kreuz ersetzte man gegen Ende des 19. Jh. wegen Baufälligkeit durch ein eisernes. 1960 musste das Kreuz aus konservatorischen Gründen entfernt werden und stand fortan mehr als 40 Jahre im Magazin des Stadtmuseums Borken. Im August 2003 konnte es auf Initiative des Heimatvereins Borken unweit seines ursprünglichen Standortes wieder aufgestellt werden.


7 Prozessionskreuz

Borken, Weseler Landstraße/ Ecke Zwei-Linden-Weg

Schon 1900 ist für diesen Standort ein schlichtes Kreuz überliefert. Im Laufe der Jahre verwitterte das Kreuz so sehr, dass es entfernt werden musste. Die Familie Friedrich Bessling stiftete daraufhin ein neues Kreuz, das 1938 aufgestellt wurde. Die notwendige Grundfläche stellte die Familie Klüppel zur Verfügung. Nach dem Zweiten Weltkrieg veranlasste die Nachbarschaft „Zwei-Linden-Weg“ die Aufstellung zweier Tafeln mit den Namen ihrer gefallenen Männer. Als diese Tafeln wegen Verfalls 1965 wieder entfernt werden mussten, nutze man dies zu einer umfassenden Neugestaltung.


8 Prozessionskreuz mit Korpus

Borken, Alter Kreuzweg/ Ecke Zinngießerstraße

1930 regte Nando Wolters an, am Alten Kreuzweg ein Passionskreuz aufzustellen. Die Karfreitags- und Fronleichnamprozessionen von St. Remigius verliefen seinerzeit über den Alten Kreuzweg. Die traditionelle Segensstation sollte über die Prozessionstage hinaus durch ein Kreuz gekennzeichnet werden. 1972 ließ die Nachbarschaft „Alter Kreuzweg“ das verwitterte Kruzifix durch ein schlichtes Holzkreuz ersetzen. Aber der Wunsch nach einem vollständigen Kruzifix blieb. Fünfundzwanzig Jahre später verwirklichten die Nachbarn ihren Wunsch. Sie gaben ein neues Kreuz in Auftrag und kauften in Kevelaer einen passenden Korpus. In einer feierlichen Andacht erfolgte Ende November 1997 die Einsegnung.


9 Bildstock „Marienklage“

Borken, Weseler Landstraße

Schon gegen Ende des 19. Jh. stand in der Nähe des heutigen Bildstocks ein Marienbild. Die Darstellung der „schmerzhaften Mutter“ musste später einem Haus weichen und fand seinen neuen Standort wieder neben dem 1904 errichteten Wasserturm. Aufgrund starker Verwitterung musste das Marienbild 1932 abgebaut werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand in der Nachbarschaft die Idee, einen neuen Bildstock zu stiften, der zugleich an die Gefallenen und Vermissten erinnern sollte. Dieser Bildstock mit einer Darstellung des segnenden Jesus überdauerte nur zehn Jahre und wurde 1958 durch einen neuen ersetzt. Dieser dritte Bildstock zeigt wieder eine Darstellung der „schmerzhaften Mutter“.


10 „Schatens Kreuz“- Passionskreuz

Borken, Raesfelder Straße/ Ecke Siegenweg

Dieses Passionskreuz aus Baumberger Sandstein stammt aus dem späten 18. Jh. Das Kreuz, auch „Schatens Kreuz“ genannt, bildete die erste Station der so genannten Großen Prozession. Das Kruzifix verdankt seine Errichtung dem Borkener Kanonikus Ernst Wilhelm Kuhfuß. Außer einer Inschrift weist das Kreuz keinerlei Hinweise auf die Zeit oder auf die Gründe, die zur Errichtung führten, auf. Im Volksmund hieß das Kruzifix auch „dän witten leewen Här“. Dies bezog sich auf die weiße Farbe des Korpus und verwies gleichzeitig auf das Bild des Kreuz tragenden Christus auf dem Paulskamp, eine Figur, die unter dem Namen „däm krummen leewen Här“ bekannt war.


11 Bildstock „Maria Immaculata“

Borken, Duesbergstraße

Die Familie Duesberg stiftete 1742 diesen doppelseitigen Bildstock. Es ist nur die frühere Rückseite erhalten. Die alte Vorderseite zeigte eine Darstellung der Anna Selbdritt. Die Verwitterung war so stark, dass man das Relief schon vor Jahrzehnten ersatzlos entfernte. Das heute noch erhaltene Bild zeigt die Gottesmutter Maria mit einem Sternenkranz und mit einer Lilie in der rechten Hand. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs stellten die Anlieger zwei Gedenktafeln mit den Namen ihrer Gefallenen hinzu. Bei dem im Bildstock befindlichen Relief handelte es sich um eine im Auftrag der Stadt Borken erstellte Kopie. Das Original hängt in der Trauerhalle des Friedhofs am Butenwall.


12 Bildstock „Marienklage“

Borken, Heidener Straße/ Ecke Wasserstiege

Ursprünglich stand dieser von Caspar Möltinck 1706 gestiftete und von den Brüdern Johann und Heinrich Möltnick im Jahr 1708 errichtete Bildstock an der Raesfelder Straße. 1931 ließ der Heimat-und Altertumsverein Borken den Bildstock nach einer Restaurierung an die Heidener Straße umsetzen. Die heutige Schauseite zeigte eine Piéta. Das rückseitige Relief ist schon seit mehr als hundert Jahren vollständig verwittert. Es soll sich um eine Darstellung der Dornenkrönung Christi gehandelt haben. Bei der Restaurierung in den 1990er Jahren ließ die Stadtverwaltung von dem Relief ein Duplikat anfertigen und in den Bildstock einsetzen. Die originale „Marienklage“ hängt in der Trauerhalle des Friedhofs am Butenwall.

 

Texte: Thomas Ridder