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Bildstocktour II

Seit Jahrhunderten prägen Bildstöcke und Wegekreuze diese Landschaft. Unsere Vorfahren nahmen sich beim Vorübergehen noch die Zeit für eine stille Andacht oder ein kurzes Gebet. Heute werden die Bildstöcke und Wegekreuze vielfach nicht mehr bewusst wahrgenommen und oftmals kennen wir auch nicht mehr die Gründe, die zur Aufstellung führten.


1 Bildstock des hl. Franziskus

Gemen, Familie von Landsberg-Velen, Olden Goren

Im Sternbusch, in der Nähe des Forsthauses, steht an einer Wegkreuzung ein Bildstock zu Ehren des hl. Franziskus. Das in eine Nische eingelassene Bild aus eingebrannter Tonkeramik zeigt den Heiligen, wie er symbolisch zu den Vögeln predigt. Der weiß getünchte Bildstock ist von schlichter Form. Im unteren Teil ist als Vertiefung ein Kreuz ausgebildet. Die Setzung des Bildstocks erfolgte etwa um 1860 auf Initiative des Grafen von Landsberg-Velen. Die Gründe für die Aufstellung konnten nicht mehr ermittelt werden. Viele Jahre, bis etwa 1965, diente der Bildstock als Segensstation bei der großen Prozession der Gemener Pfarrgemeinde.


2 Bildstock mit Kruzifix

Weseke, Familie Müggenborg, Spitzkamp 3

Die Aufstellung dieses Bildstocks erfolgte nicht wie bei vielen anderen in der Erfüllung eines Gelübdes oder zur Erinnerung an meist auf dramatische Weise verstorbene Familienangehörige. Ein langjähriger Bekannter der Familie Müggenborg nutzt seine Freizeit zum Schnitzen. Neben profanen Motiven widmet sich Bruno Osterholt immer wieder auch sakralen Motiven. Eines Tages zeigte er den Müggenborgs ein neues großes Kruzifix. Es entstand die Idee, an der Hofzufahrt einen Bildstock für das Kreuz zu errichten. Im September 1994 erfolgte die feierliche Einsegnung des neuen Bildstocks.


3 Bildstock „Segnender Christus“

Weseke, Familie Otert-Tenk, Sibbinghook 14

Eine Kette tragischer Todesfälle bildet den geschichtlichen Hintergrund für diesen Bildstock. Die Gedenkstätte mit einem Relief des segnenden Christus wurde von Anna Wenning-Otert im Jahre 1950 gestiftet. Mehrere Todesfälle veranlassten sie, diesen Bildstock aufstellen zu lassen. Im Mai 1947 verstarb der Sohn Ewald auf dem elterlichen Hof infolge eines Stromschlags. Drei Monate später erhielt die Familie die Nachricht, dass der im Krieg vermisste zweite Sohn Hubert gefallen sei. Beide Schicksalsschläge erschütterten Anna Wenning-Oterts Ehemann dermaßen, dass er noch im Oktober desselben Jahres starb.


4 Emmausgruppe

Weseke, Sibbinghook

Im Jahre 1966 musste im Rahmen der Flurbereinigung ein an dieser Stelle stehender Doppelbildstock, der auf der Vorderseite die Geißelung Christi und auf der Rückseite das Letzte Abendmahl zeigte, wegen erheblicher Baufälligkeit entfernt werden. Auf Empfehlung des damaligen Pfarrers Franz Bröß errichtete man diese Emmausstation. Der Bildstock diente immer wieder als Segensstation bei der Fronleichnamsprozession.


5 Wegekreuz mit Korpus

Weseke, Borkenwirther Straße

1889 errichtet, stand das Kruzifix zunächst an der heutigen Leetstegge. Um 1970 erfolgte im Zuge einer Straßenumlegung die Versetzung an diese Stelle. Bis in die 1950er Jahre hatte das Kreuz bei der jährlichen Prozession als Segensstation gedient. Während des Zweiten Weltkriegs zerstörten Granatsplitter den Korpus. Die Familie Schoofs stiftete einige Jahre später eine neue Figur. Sie hatte gelobt, bei einer gesunden Rückkehr des Sohnes aus dem Krieg und der Gefangenschaft die Kosten für die Wiederherstellung des Kruzifixes zu tragen. Die Entstehungsgeschichte und die Setzungsgründe dieses Kreuzes sind nicht bekannt. Inschriften, die Aufschluss geben könnten, sind zwischenzeitlich vollständig verwittert.


6 Bildstock „Christus am Ölberg“

Weseke, Borkenwirther Straße

Dieser Bildstock gehörte zu einem Anfang des 18. Jhs angelegten Prozessionsweg und diente viele Jahrzehnte als Segensstation bei der Fronleichnamsprozession. Die stark verwitterten Reliefs zeigen auf der heutigen Vorderseite das Bildmotiv „Christus am Ölberg“ und auf der Rückseite die „Himmelfahrt Christi“. Auf einer Schmalseite befindet sich eine Inschrift mit den Namen der Stifter: Joan Thier - Marta Heilm- (ann), auf der anderen Seite stehen das Setzungsjahr (1726) sowie ein Steinmetzzeichen. Der Überlieferung nach gab es ursprünglich wohl eine lateinische und eine deutsche Gebetsinschrift. Auch dieser Bildstock musste mehrmals seinen Standort wechseln.


7 Bildstock „Grablegung Christi“

Weseke, Am Friedhof/ Ecke Königsweg

Auch dieser Bildstock hat sehr unter der Verwitterung gelitten. Die Inschriften sind nicht mehr lesbar und der Originalsockel fehlt. Ursprünglich zeigte das Bildmotiv auf der Vorderseite Christus vor Pilatus stehend, die Rückseite eine Darstellung der Grablegung Christi. Heute ist nur noch dieses Motiv erhalten. Zunächst stand der Bildstock näher zur Borkenwirther Straße und diente bis ca. 1967 als Segensstation bei der Fronleichnamsprozession. Im Zuge der Ortskernsanierung stellte man ihn in die Nähe des Friedhofs um.


8 Bildstock mit Piéta

Weseke, Familie Fortmann, Südlohner Straße/ Ecke Königsweg

Dieser große aus roten Ziegelsteinen gemauerte Bildstock zeigt als Bildmotiv die „Schmerzhafte Mutter“ mit dem toten Jesus auf ihrem Schoß. Der Stifter dieses um 1820 aufgestellten Bildstocks war vermutlich Wilhelm Warmers. Über seine Motive ist nichts überliefert. Einer Inschrift nach erfolgte 1890 durch Johann Wilhelm Warmers eine Renovierung des Bildstocks. Dabei dürfte dieser sein neugotisches Aussehen erhalten haben. Bei der Fronleichnamsprozession dient der Bildstock alle zwei Jahre als Segensstation.


9 Doppelbildstock

Weseke, Familie Otert Enning, Kotten Büsken 44

Mitte der 1990er Jahre wurde dieser Doppelbildstock von Grund auf restauriert. Der aus dem Jahre 1747 stammende Bildstock aus Baumberger Sandstein zeigt auf der aktuellen Vorderseite ein Relief der „Schmerzhaften Mutter“, die Piéta, auf der Rückseite ist eine Darstellung der „Sieben-Schmerzen-Madonna“ zu sehen. Der Bildstock dient jedes zweite Jahr bei der Fronleichnamsprozession als Altar und Segensstation. Auf Vorder- und Rückseite haben sich noch einige Inschriften erhalten. In der Giebelbekrönung der Vorderseite steht: J. B. Enninck. Auf der Rückseite gibt es in der Giebelbekrönung die Jahreszahl: AO 1747. Von den Sockelinschriften hat sich nur eine erhalten.


10 Statue des hl. Ludgerus

Weseke, Pfarrgemeinde St. Ludgerus, Holthausener Straße/ Ecke Klünstraße

Schon im Jahre 1920 stiftete ein heute nicht mehr bekannter Künstler der St.Ludgerus-Pfarrei eine Statue ihres Schutzpatrons. Fünfundvierzig Jahre stand die Figur an der Außenmauer des Pfarrhauses und diente bei der Fronleichnamsprozession als Segensstation. Im Jahr 1965 musste die Figur wegen Verwitterung und Verfall entfernt werden. Der damalige Gemeindepfarrer Franz Bröß beauftragte den Bildhauer Josef Krautwald aus Rheine mit der Schaffung einer neuen Statue. Wegen der Ortskernsanierung konnte sie nicht mehr am Pfarrhaus aufgestellt werden und erhielt daher ihren Standort an der Holthauser Straße.


11 Triumpfkreuz

Weseke, Pfarrgemeinde St. Ludgerus, St. Ludgerus-Kirche

Die Aufstellung dieses Kruzifixus erfolgte 1995 aus Anlass der 600-Jahrfeier der Kirchengemeinde und dem 100-jährigen Bestehen der St.Ludgeruskirche. Es war ein Abschiedsgeschenk des scheidenden Pfarrers Paul Schwichtenhövel an die Pfarrgemeinde. In seinem Auftrag schuf der Weseker Bildhauer Antonius Schoofs den eindrucksvollen Korpus aus Eichenholz, der unter großer Beteiligung in einer feierlichen Zeremonie eingesegnet wurde.


12 Doppelbildstock

Weseke, am Heimatshaus

Seit 1986 steht dieser Bildstock am Heimatshaus. Ursprünglich stand er mit fünf weiteren Prozessionsbildern viele Jahrzehnte an einem Prozessionsweg. Die Aufstellung dieses Bildstocks soll 1851 erfolgt sein. Die äußere Form des Doppelbildstocks verweist allerdings in das 18. Jh., in dem auch die übrigen drei erhalten gebliebenen Bildstöcke entstanden sind. Mitte der 1980er Jahre war der Bildstock so stark verwittert, dass sein Bestand bedroht schien. Der Weseker Heimatsverein ließ ihn restaurieren. Auf der Vorderseite sieht man ein Relief mit der Himmelfahrt Christi, auf der Rückseite eine Darstellung der Kreuzigungsgruppe.

 

Texte: Thomas Ridder