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Bildstocktour III

Seit Jahrhunderten prägen Bildstöcke und Wegekreuze diese Landschaft. Unsere Vorfahren nahmen sich beim Vorübergehen noch die Zeit für eine stille Andacht oder ein kurzes Gebet. Heute werden die Bildstöcke und Wegekreuze vielfach nicht mehr bewusst wahrgenommen und oftmals kennen wir auch nicht mehr die Gründe, die zur Aufstellung führten.


1 Das Kreuz auf dem Beckenberg

Borken, Kreuzberg

Borken besaß wie andere Städte im Mittelalter ein Aussätzigenhaus. Es lag an der Straße nach Ramsdorf unterhalb eines kleinen Hügels. Neben dem Wohnhaus stand eine Kapelle umgeben von einem kleinen Friedhof. 1635 erfolgte der Abriss der Kapelle, später ebnete man auch den Friedhof ein. Oberhalb des Siechenhauses errichteten im Jahre 1659 oder 1665 die Johanniter ein großes Kreuz. Für die leprakranken Menschen diente es als Anbetungsstätte. Zu diesem Kreuz bewegte sich lange Jahre am Karfreitag die Prozession. Daher erhielt der kleine Hügel in der Bevölkerung auch den Namen „Kalvarienberg“. Später verlegte man den Prozessionsweg. Das Kreuz aber blieb.


2 Hofkreuz und Gedenkstätte

Gemenkrückling, Familie Weddeling-Gerding, Krückling 27

Heinrich Weddeling-Gerding ließ 1910 aus tiefem religiösem Glauben heraus das Kreuz errichten. In seinem Umfeld fanden vor Ostern 1945 letzte und sinnlose Verteidigungsversuche der Wehrmacht statt. Etwa zweihundert Meter vom Kreuz entfernt fiel am 29. März 1945, dem Gründonnerstag, der junge Gefreite Hans Friedl. Die Nachbarn betteten ihn nach den Kämpfen neben dem Kreuz zu seiner letzten Ruhe. Einer der beiden Findlinge trägt seinen Namen. Auf dem zweiten Stein steht zur Erinnerung an einen in Russland gefallenen Sohn der Familie dessen Name: Ludwig Weddeling-Gerding


3 Bildstock des hl. Franziskus

Gemen, Familie von Landsberg-Velen, Olden Goren

Im Sternbusch, in der Nähe des Forsthauses, steht an einer Wegkreuzung ein Bildstock zu Ehren des hl. Franziskus. Das in eine Nische eingelassene Bild aus eingebrannter Tonkeramik zeigt den Heiligen, wie er symbolisch zu den Vögeln predigt. Der weiß getünchte Bildstock ist von schlichter Form. Im unteren Teil ist als Vertiefung ein Kreuz ausgebildet. Die Setzung des Bildstockes erfolgte etwa um 1860 auf Initiative des Grafen von Landsberg-Velen. Die Gründe für die Aufstellung konnten nicht mehr ermittelt werden. Viele Jahre, bis etwa 1965, diente der Bildstock als Segensstation bei der großen Prozession der Gemener Pfarrgemeinde.


4 Bildstock als Mahnmal für gefallene Soldaten

Gemenwirthe, Uhlenstegge/ Ecke Fookeskamp

An der Uhlenstegge, etwa zweihundert Meter vom Ortsschild entfernt, fällt der Blick auf einen großen Bildstock. Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass es sich um ein Gefallenenmahnmahl handelt. 1953 beschloss die Nachbarschaft Böinghook ihrer, in den beiden Weltkriegen gefallenen, Nachbarn zu gedenken. Das Mahnmal erhielt die Form eines Bildstocks. Im oberen Teil ist eine gusseiserne Tafel eingelassen, die Christus zeigt, der einen vor ihm knieenden Soldaten segnet. Im unteren Teil befindet sich anstelle der bei Bildstöcken üblichen Gebetsinschriften eine Tafel mit den Namen der Gefallenen und Vermissten.


5 Hofkreuz

Gemenwirthe, Familie Schulze-Wülfing, Buterkammer 11

Etwas abseits von der Hofanlage der Familie Schulze-Wülfing steht am Rande eines Waldstücks ein mächtiges, steinernes Kreuz mit einem großen Korpus. Auch hier verlieren sich die Gründe, die zur Aufstellung des Kreuzes führten. Eine frühere Dokumentation erwähnt eine lateinische Inschrift, die sich auf der Rückseite befunden hat. In dieser nicht vollständig überlieferten Inschrift wird das Ehepaar Gerhard Josef und Anna Maria Schierenberg als Stifter genannt. Der Stil des Kreuzes lässt vermuten, dass es in der zweiten Hälfte des 19. Jh. entstand. Auf der Rückseite des Sockels findet sich heute nur die Jahreszahl 1874.


6 Hofkreuz mit Korpus

Gemenwirthe, Familie Stork, Borkener Straße 202

Der Sohn der Eheleute Heinrich und Christine Stork begann 1899 bei den Patres der Steyler Mission ein Theologiestudium. Schon nach kurzer Zeit erlitt er eine so schwere Knieverletzung, dass er sein Studium nicht fortsetzen konnte. Daraufhin legten seine Eltern und Geschwister ein Gelöbnis ab. Sollte das Knie je ausheilen, dann wollten sie zum Dank ein Hofkreuz errichten. Nach zwei Jahren konnte Hermann Storck das Studium bei den Steyler Missionaren wieder aufnehmen. Zwei weitere Jahre später löste die Familie das Gelöbnis ein. Hermann Stork erhielt am 29. Oktober 1911 in St. Gabriel in Wien die Priesterweihe.


7 Statue der Gottesmutter

Hoxfeld, Familie Wöste, Ant Kruse Bömken 26

Schon von der Straße aus erblickt man kurz hinter der Zufahrt zum Hof der Familie Wöste auf der linken Seite eine zierliche Madonnenfigur aus Kunststein. Maria steht im einem nahezu schmucklosen Gewand mit vor der Brust gekreuzten Händen dem Betrachter gegenüber. Ihr Blick geht mit leicht geschlossen wirkenden Augen nach unten. Als einzige Zutat umspielt ein Strahlenkranz aus Metall ihr Haupt. Die Familie Wöste errichtete diese stilvolle Figur aus religiösem Glauben, großer Dankbarkeit und zum Schutz des Hofes. Die Einsegnung erfolgte zur Taufe des zweiten Kindes im Jahr 1960


8 Bildstock Christus am Ölberg

Hoxfeld, Pröbstinger Busch/ Ecke Bollenbergweg

Als dieser Bildstock 1888 errichtet wurde, fiel er durch seine Größe und aufwendige Gestaltung den Zeitgenossen sofort auf. Nach fast 120 Jahren hat er viel von seiner einstigen Pracht und Größe verloren. Viele Details sind verwittert. Das Bildrelief zeigt den betenden Jesus am Ölberg, umgeben von den schlafenden Jüngern. Der Überlieferung nach stand dieser Bildstock ursprünglich am westlichen Ende der Bocholter Straße. Wann und aus welchen Gründen die Umsetzung erfolgte, konnte die Nachbarschaft nicht in Erfahrung bringen. Im Jahr 2005 haben die Nachbarn den Bildstock mit einem Schutzhäuschen versehen und mit einem Zaun eingefasst.


9 Statue des hl. Josef

Als 1930 die Barmherzigen Brüder von Montabaur das Gut Pröbsting übernahmen, errichteten sie eine Kapelle und stellten einige Heiligenfiguren auf. Im Jahre 1942 beschlagnahmten die Nationalsozialisten das Gut und vertrieben die Brüder. Die Figuren wurden, weil sie den neuen Besitzern im Wege standen, entfernt. Die Statue des hl. Josef fand einige hundert Meter nördlich einen neuen Standort. Seit Jahren pflegt der Hoxfelder Schützenverein St. Ludgerus die Figur. Die Schützenbrüder ließen die Statue umfassend restaurieren. Die Hände mussten ersetzt und der Kopf neu befestigt werden. Die Statue bekam einen neuen Sockel mit einer Bronzetafel.


10 Statue der Gottesmutter mit Kind

Hoxfeld, St. Ludgerus-Kapelle

Diese schlichte, aber dennoch eindrucksvolle Marienstatue stammt ursprünglich aus dem Besitz der Barmherzigen Brüder von Montabaur, die auf dem benachbarten Haus Pröbsting in den 1930er Jahren ein Pflegeheim für Epilepsiekranke unterhielten. Als die Nationalsozialisten 1942 das Pflegeheim schlossen, erhielt die Statue in der Nähe der Josefsfigur einen neuen Standort. 1991 setzte man die Marienstatue vor die St. Ludgerus-Kapelle. Im Zuge der Umstellung erfolgte eine gründliche Reinigung und Restaurierung. Mitte der 1990er Jahre vergriffen sich Unbekannte an der Statue. Dem Jesuskind schlugen sie den Kopf und eine Hand ab. Die fehlenden Teile konnten nachgebildet und die Figur wieder vervollständigt werden.


11 Wegekreuz mit Korpus

Hoxfeld, Vardingholter Straße/ Ecke Klockenhövel

Die Ursprünge dieses Kreuzes reichen weit in das 19. Jh. zurück. Nach mündlichen Überlieferungen hatte ein schweres Unwetter nahezu die gesamte Ernte in einem Bereich zwischen der Weseler Landstraße und der Bocholter Aa vernichtet. Die Anwohner stifteten daraufhin ein sogenanntes Hagelkreuz, das in der Nähe des heutigen Kruzifixes seine Aufstellung fand. Nachdem Unbekannte den Korpus mutwillig zerstört hatten, ließ die Stadt in den 1990er Jahren das Kreuz vollständig erneuern. Darüber hinaus wird berichtet: Wenn bei einer Beerdigung die Trauergemeinde mit dem Sarg nach Borken ging, beteten von diesem Kreuz an bis zum Erreichen des Friedhofs alle gemeinsam den Rosenkranz.

 

Texte: Thomas Ridder