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Wanderung durch Borken und Gemen in "Die Berge" östlich von Borken

Abwechslungsreiche und hochinteressante Kilometer in Borken, in Gemen und im Borkener Osten

Angeboten wird hier eine knapp 20 Kilometer lange Rundwanderung durch Borken, Gemen und den Borkener Osten. Gewandert wird zu Anfang kurz auf einem Rautenweg (◊), danach auf den Hauptwanderwegen X 4, X 10 und X 3.

Propsteikirche St. Remigus und das Kapitelshaus

Wir starten mitten im Stadtzentrum an der Remigiusstraße. Die ist leicht zu finden, denn dort steht herausragend mit 76 Meter Höhe die Propsteikirche St. Remigius. Benannt nach dem Heiligen Remigius, der vor über 1200 Jahren im Frankenland gelebt hat, mit 22 Jahren Bischof in Nordfrankreich wurde und erst im gesegneten Alter von 96 Jahren starb. Daran erinnern heute die 96 Kerzen des großen Leuchters über dem Altar. Die Kirche in der heutigen Form wurde um 1435 erbaut, im Zweiten Weltkrieg zerstört und in drei Etappen als gotische Hallenkirche mit romanischem Turm wieder errichtet. Wer einen Blick ins Innere wagt, sieht den Taufbrunnen, an dem seit über 800 Jahren getauft wird.

Wir folgen der Raute (◊) und sehen wenige Meter weiter am Markt die Heilig-Geist-Kirche; eine ehemalige Kirche, in der oben das Stadtmuseum Borken beheimatet ist, unten eine kleine Kunstgalerie. Dieses Gebäude (errichtet ab 1382) ist Zeugnis einer ehemals bedeutenden Armenstiftung. Wegen der norddeutschen Backsteingotik wird sie als einmalig im Westmünsterland bezeichnet. Das Haus wurde zwischen 1950 und 1952 wiederhergestellt und diente zu der Zeit unter anderem als Ratssaal. Ach ja: Wurde schon erwähnt, dass sich Borken gerne als Stadt der Türme bezeichnet? Zurecht, zurecht. Denn die Kreisstadt hat gleich fünfe davon. Und einen sehen wir ganz nah, wenn wir der Raute folgen. Wir sehen den Diebesturm. Könnte er nicht auch Liebesturm heißen? Durchaus, denn in den über zwei Meter dicken Mauern ist das städtische Trauzimmer. Und dorthin geht man doch gemeinhin aus Liebe. Erbaut zwischen 1326 und 1433 im Rahmen der mittelalterlichen Stadtbefestigung, hat der Turm einen Durchmesser von 5,70 Meter und war bis 1908 das Stadtgefängnis – und nun Standesamt.

Wir folgen der Raute durch das Stadtgebiet, durchqueren die Aa-Niederung und kommen nach drei Kilometern in das bebaute Gebiet des Stadtteils Gemen. Ein ganz offensichtlich attraktiver Ortsteil, nicht nur wegen der Wasserburg. So attraktiv, dass die Einwohnerzahl in den vergangenen Jahren auf 8000 geklettert ist. Wir sehen das Ackerbürgerhaus Grave aus dem 17. Jahrhundert. Im Laufe der Jahrhunderte wurde es mehrfach umgebaut, im Inneren ist die alte Wohngestalt jedoch hervorragend erhalten. Die Küche, der Keller und die Kellerkammer sind original aus dem 19. Jahrhundert. Dieser Gebäudetyp ist selten geworden. Daher steht Haus Grave unter Denkmalschutz. Dass im Inneren und Äußeren alles so bleibt wie es ist, dafür sorgt der Heimatverein Gemen, der das Haus seit September 1993 als Heimathaus nutzt.

Ackerbürgerhaus Grave
Marienkirche
Jugendburg Gemen

Hinter Haus Grave liegt die Gemener Marienkirche, eine Barockkirche von 1719. Wir achten besonders auf die Fassade aus rotem Backstein und gelbem Sandstein. Entsprechend der Dreierstufung der Fenster sind die Figuren angeordnet: Antonius von Padua mit dem Jesuskind, Johannes Nepumuk mit dem Kruzifix und Maria Immaculata als Patronin der Kirche. Im Giebelabschluss erscheint das Auge Gottes. Der Taufstein stammt von 1720. Die Kanzel kommt wohl aus einer anderen Kirche, denn sie ist um 1600 erbaut worden.

Genau an dieser Stelle stößt der Rautenweg auf den Hauptwanderweg X 4, dem wir – nach rechts abbiegend – folgen. Er führt uns um die Hinterfront der berühmten Burg Gemen. Um diese Wasserburg von vorn zu besichtigen, müssen wir kurz den X 4 verlassen und gehen durch ein Holztor. Man schätzt, dass die ältesten Teile der Burg aus dem Jahr 1092 stammen, dem Jahr, in dem die Edelherren Gemen erstmals urkundlich erwähnt wurden.

Die Burg Gemen wurde im 13. Jahrhundert als Ringburg gebaut und ist heute eine Jugendbildungsstätte. Goswin von Gemen wollte im 13. Jahrhundert eine Ringburg haben und baute sie auch so aus. Im Laufe der Jahrhunderte verlor Gemen an Bedeutung. Die neuere Geschichte der Burg findet ihre Fortsetzung im Jahr 1822 mit der Übernahme der Herrschaft durch den Reichsfreiherrn Ignaz von Landsberg-Velen. Die Burg ist auch heute noch im Besitz dieser Familie und seit 1946 in der Pacht des Bischofs von Münster. Seitdem wird sie als Jugendbildungsstätte genutzt und kann somit auch besichtigt werden. Die Jugendbildungsstätte hat 120 Zimmer mit 230 Betten, 27 Gruppenräume, 40.000 Quadratmeter Gesamtfläche, davon 15.000 als Wasserfläche. Zahlreiche Freizeit- und Sporteinrichtungen ergänzen die Anlage. Gezählt werden jedes Jahr 23.000 Gäste mit 43.000 Übernachtungen. 42 Mitarbeiter sorgen für einen reibungslosen Ablauf. Die Jugendbildungsstätte Burg Gemen liegt auf einer Gesamtfläche von 40.000 Quadratmetern und hat 120 Zimmer. Jedes Jahr werden 23.000 Gäste gezählt.

Zurück zum X 4, der uns über die Bocholter Aa führt bis zum neuen Gemener Friedhof, wo er rechts abbiegt in die Allee „Am Sternbusch“ mit ihren knorrigen Linden in vier Reihen. Wir wandern noch weiter durch das Vogelschutzgebiet Sternbusch, übrigens Schutzgebiet seit 1926. Wer Ohren hat zu hören, der höre: Buchfink, Mönchsgrasmücke, Zaunkönig, Rotkehlchen, Zilpzalp, Fitislaubsänger und Meisen oder Drosseln sagen sich dort guten Tag. Und Buntspecht und Kleinspecht trommeln dazu. Auch der Trauerschnäpper und der Kleiber sind im Sternbusch zuhause. Wir gehen am Schützenplatz rechts aus dem Wald hinaus, überqueren die Landstraße 581, kommen am Gestüt Forellenhof Wolter vorbei und sind im nächsten Naturschutzgebiet, Hombornquelle. Ein rustikales Restaurant lädt zur Stärkung ein.

Wir wandern weiter, nun auf unbefestigten Wegen. Der X 4 führt uns am Nordrand des Gebiets „Die Berge“ bis zum Hövelsberg, der zu Ramsdorf (Velen) gehört. Dort, genau dort, treffen wir auf den Hauptwanderweg X 10, der uns nun für 6,6 Kilometer ans Händchen nimmt. Nur wenige Meter, nachdem wir nach rechts auf den X 10 abgebogen sind, finden wir das Hügelgräberfeld von Ramsdorf. Auch hier herrscht Naturschutz vor, seit 1939. Die zahlreichen Grabhügel, die zwei Meter Höhe und 15 Meter Breite umfassen, stammen aus der Jungstein- und Bronzezeit – wie die dort lokalisierten Urnenfelder.

Es geht weiter über Sandwege, bis wir „Die Berge“ verlassen und einen Blick werfen auf die typische Münsterländische Parklandschaft. Wir gehen unter anderem über das Lammersfeld, das auf dem „Haltener Sande“ liegt, ein wichtiges Trinkwasservorkommen. Wir sehen einen Bahnübergang, bei dem wir auf den Hauptwanderweg X 3 treffen. Den nehmen wir jetzt, indem wir auf dem X 3 rechts abbiegen. 1,3 Kilometer bleiben wir auf dem X 3 und kommen an den Rand des Borkener Stadtgebiets. Der X 3 biegt vom Beckenstrang links in den Eggenkamp – wir nicht. Wir folgen, wie beim Beginn dieser langen langen Wanderung, der Raute, die uns zurück zur Kirche St. Remigius führt.

Puh, knappe 20 Kilometer liegen hinter uns. 20 Kilometer, die an Abwechselung einiges geboten haben. Hat Ihnen die Wanderung gefallen, empfehlen Sie sie weiter. Wenn nicht, sagen Sie es uns.