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Was ist ein Kulturentwicklungsplan?

Moderator
Bernward Tuchmann
Bernhard Tuchman Kulturberater

Referat von Bernward Tuchmann, TUCHMANN Kulturberatung

Definition

Ein Kulturentwick­lungsplan bzw. eine kulturelle Planung plant nicht die Ent­wicklung von Kunst und Kultur, weder kulturelle Inhal­te, Programme oder Angebote noch
ver­folgt sie dramaturgische oder kuratorische Ziele. Ge­plant wird der Rah­men, in dem sich das künstlerische und kultu­relle Leben innerhalb einer Gebietskörper­schaft ent­wickeln kann.

Historische Entwicklung

In Deutschland gab es bislang drei Phasen kultureller Planungen: in den 1970er und 80er Jahren hatten Kul­turentwicklungspläne die Funktionen, den Weg zur "Neuen Kul­turpolitik" zu ebnen und darüber hinaus Teil der Stadtentwicklungspla­nung zu sein; ein frü­hes Beispiel hierfür war übrigens der Kulturentwicklungsplan Kreis Borken. Ende der 80er bis Mitte der 90er Jahre stand im An­schluss an die Wiederver­einigung Deutsch­lands die inhaltliche Annäherung an an­dere Bereiche, insbe­sondere die Wirtschaft im Mittelpunkt, knapper werdende finanzielle Ressour­cen wurden zum Be­standteil der Plä­ne.

Ende der 1990er Jah­re wurden kulturelle Planungen viel­schichtiger, überge­ordneter und kommuni­kative-koordinierende Elemente ge­wannen an Bedeu­tung. Eine aktuelle, vierte Phase deutet eine "Re­naissance" der Kulturent­wicklungsplanung an, wel­che sich geo­graphisch nicht auf Kommu­nen be­schränkt, son­dern auch in Regio­nen und Bundesländern (Westfal­en-Lippe, Thürin­gen, Schles­wig-Holstein) disku­tiert und gehandelt wird.

Inhalte und Planungsphasen

Kulturentwicklungsplanung beinhaltet eine umfassende Be­standsaufnahme und Zustandsbeschrei­bung des kulturel­len Angebotes, die Einschätzung zukünftiger gesellschaftlicher Ent­wicklungen, formuliert überge­ordnete kulturpoliti­sche Ziele und Leit­linien sowie eine Prioritäten­setzung und sie ent­hält dezidierte Maßnahmen zur jeweilig­en Zieler­reichung und Umsetzung.

Kurz zusammengefasst gilt es im Prozessverlauf zunächst i. R. der Bestands­aufnahme, grundle­gende Fragen zu beantworten (u.a. Welches kulturelle An­gebot hat die Stadt Borken im Bereich der öf­fentlichen wie freien Kulturar­beit? Was macht die Stadt kulturell aus?), Stärken und Schwä­chen des vor­handenen Angebotes wer­den analysiert kriti­sch gewür­digt (Was läuft gut? Wo beste­hen Defizite?). Im An­schluss wer­den not­wendige strategisch-kultur­politische Ziele definiert, Maß­nahmen so­wie Handlungsalternativen benannt und daraus ein Maßnahmen­katalog entwor­fen.

Kulturentwicklungsplanung ist ein Kommunikationsprozess

Planung bedeutet Kommu­nikation, d.h. ein Pla­nungsprozess ist gleichzeitig auch ein Kommunikati­onsprozess, welcher nur dann er­folgreich ver­laufen kann, wenn die Bedeutung des Themas von al­len Pro­zessbeteiligten (Politik, Verwaltung, Institutionen, Kultur­schaffende, Ver­eine, Öffentlich­keit, Medi­en) in einem transparenten Verfahren begriffen wird. Kulturentwick­lungsplanung ist eine anspruchsvolle Aufgabe und setzt die Be­reitschaft zur aktiven und kontinuier­lichen Mitwirkung vor­aus. Wichtig ist, dazu beizutragen, dafür Sorge zu tragen, auf der "Langstrecke Kulturentwickl­ungsplanung" gemeinsam mit allen Akteur­en das Ziel zu errei­chen.

Chancen und Risiken

Im Erkennen und Benennen der kulturellen Identität liegt eine große Chance der Planung, Entwick­lungen und Veränderun­gen können ebenso wie Möglich­keiten der Kommunikation und Kooperati­on identifiziert werden. Ein unkoordi­niertes Han­deln kann verhindert werden, ein Plan dient über einen län­geren Zeitraum hinweg als Leitlinie. Gute und fundierte Planung sichert konzeptionell und nachhaltig, auch unter schwierigen Rahmenbedin­gungen. Im Idealfall ge­lingt die Entfal­tung eines gemeinsa­men Verständnisses von kommunaler Kulturar­beit und Kulturp­olitik.

Ergebnisoffene Planungsprozesse legen gleichzeitig auch Risiken offen: möglicherweise gibt es keine breite Ak­zeptanz bei den Betei­ligten bzw. in der Öffentlichkeit, falsche Er­wartungen werden ge­weckt, Ängste als Konsequen­zen aus der Analyse werden wahr­nehmbar und or­ganisatorisch kann sich die Pro­zessdauer als zu lang er­weisen. Besonders enttäuschend ist das Szenario, dass im Anschluss an die Erarbeitung eines Plans nicht des­sen Umsetzung erfolgt.

Fazit

Ein Plan allein bewegt nichts. Eine Kulturentwicklungsplanung ist Grundlage, kein abschließendes Werk, sie ist kein Selbstzweck, sondern hilfreiches In­strument für die erfolgreiche Gestaltung eines Prozesses. Die Pla­nung bildet die Basis für Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit der Kultur und si­chert den Kul­turschaffenden für ihre Arbeit die notwendige Trans­parenz.

Wie gehen wir in Borken vor?

Mit dem Auftaktworkshop am 21.11.2015 wurde der Grundstein für den Prozess Kulturentwick­lungsplan Stadt Bor­ken gelegt und über dessen Inhalt und Ablauf in­formiert. Vor 54 Teilneh­menden erläuterten Vertreterinnen und Vertreter städtischer und nichtstädtischer Kultureinrichtun­gen im Rahmen einer Interview-Runde die aktuelle Situation aus ihrer Sicht, an­schließend entwi­ckelte sich eine erste lebhafte Dis­kussion im Plenum.

 


Kontakt:

Sie  haben Fragen und Anregungen zur Kulturentwicklungsplanung in Borken?

Wir sind gerne für Sie da:

Ihre Ansprechperson

Frau Bianca Finke

Bianca.Finke@­borken.de 02861/939 243 Adresse | Öffnungszeiten | Details