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Schreie aus Stein als Erinnerung

Bürgermeisterin Mechtild Schulze Hessing besuchte neben Originalschauplätzen wie dem ehemaligen Ghetto auch die Gräber- und Gedenkstätte in Riga-Bikernieki.

Auf Grundlage eines einstimmigen Ratsbeschlusses vollzog die Stadt Borken am 14.10.2018 in einer öffentlichen Veranstaltung den Beitritt zum Deutschen Riga-Komitee. Bürgermeisterin Mechtild Schulze Hessing nahm vom 14. bis 19. Juli 2019 an einem Besuch der lettischen Hauptstadt Riga teil, der vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und Kolpingwerk Münster organisiert wurde.

Riga war das erste Deportationsziel, als die Polizeibehörden im Regierungsbezirk Münster am 11. Dezember 1941 begannen, diejenigen jüdischen Menschen zu verschleppen, die nicht mehr durch eigene Flucht und das Asyl in einem aufnahmebereiten Land entkommen waren. Unter ihnen befanden sich auch 13 Männer, Frauen und Kinder aus dem heutigen Borkener Stadtgebiet, darunter allein neun Mitglieder der Weseker Familie Frank und drei Mitglieder der Familie Cohen. Von den 13 deportierten Personen haben nur zwei überlebt: Hannelore Frank aus Weseke und Selma Cohen aus Borken. Darüber hinaus sind weitere in Borken, Gemen und Weseke geborene und aufgewachsene jüdische Bürgerinnen und Bürger, die als Erwachsene fortgezogen waren und in anderen Städte lebten, von ihren neuen Wohnorten aus nach Riga deportiert worden.

Somit markiert das Deportationsziel Riga für die Borkener Stadtgeschichte den Beginn des organisierten nationalsozialistischen Judenmords, dem am Ende mindestens 112 Menschen aus dem heutigen Stadtgebiet zum Opfer gefallen sind. Insgesamt wurden mehr als 25.000 Männer, Frauen und Kinder aus deutschen Städten nach Riga verschleppt. Die Menschen, die den menschenunwürdigen Transport überlebten, wurden später in Massenerschießungen hingerichtet und namenlos im Wald von Bi?ernieki verscharrt. An dieser Stelle - am größten Massengrab von Naziopfern in Lettland - wurde im Jahr 2001 die Gräber- und Gedenkstätte Riga-Bikernieki errichtet, 60 Jahre nach Beginn der Deportationen aus Deutschland. Mit der Pflege der Anlage durch lettische und deutsche Jugendliche werden die Erinnerung und die Begegnung zwischen Riga und den deutschen Städten gepflegt, von denen die Sammeltransporte ausgingen.

Die Gruppe mit Bürgermeisterin Mechtild Schulze Hessing besuchte neben Originalschauplätzen wie dem ehemaligen Ghetto auch diese Gräber- und Gedenkstätte. Die Hauptidee zur Gestaltung der Gedenkstätte kam von diesem Platz selbst. Dieser Ort ist eine große Grube mit einem flachen Boden und mit Höhenunterschieden von bis zu vier Metern.

Steinerne Denkmäler zeigen das ganze Grauen des Geschehens. Sie weisen, in alle Richtungen verbreitet, von Grubenboden in den Wald. „Diese Steine sind wie ein Schrei der schuldlos Getöteten und lassen erkennen, dass der gesamte Ort ein einziger Hinrichtungsplatz war. Der Schrei der unschuldigen Toten, der aus dem Boden kommt.“ schreibt der Architekt Sergejs Rizs in seinen Erläuterungen zur Gestaltung der Gedenkstätte.

Die Steine stehen eng zusammen, wie die Leute vor der Erschießung. Die Gruppen der Steine sind zusammengesetzt wie eine Familie: Eltern, die ihre Kinder zu schützen versuchen, Brüder und Schwestern die nebeneinander im Angesicht des Todes stehen. Die Steine haben wie die Menschen unterschiedliche Größen und Schattierungen. In der Mitte dieses Bereiches, wo Menschen in den Tod getrieben wurden, steht eine Kapelle.

Der Gedenkort ist weiterhin in Quadrate aufgeteilt. In und neben den 48 Quadraten sind polierte Granitplatten mit den Namen der Städte im Boden eingelassen, aus denen die Menschen nach Riga gebracht wurden.

Entlang der Waldwege zwischen den Gräbern, die damals zum Todesweg der Menschen wurden, sind Betonpfähle aufgestellt. Sie stehen mit einem von drei Symbolen (mit dem Davidstern, einem Kreuz oder einem Dornenkranz) versehen – für die unterschiedlichen Opfergruppen.

Im Rahmen einer bewegenden Zeremonie legte Bürgermeisterin Mechtild Schulze Hessing an der Kapelle Blumen mit einer Schleife in den Farben der Stadt Borken sowie der Aufschrift „Die Stadt Borken gedenkt der ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger.“ nieder.

„Für mich ist es ein wichtiges Zeichen – politisch wie persönlich - die Gedenkstätte, wo auch Borkener Bürgerinnen und Bürger zu Tode kamen, zu besuchen und der Verstorbenen zu gedenken. Der Besuch der Gedenkstätte und die Erinnerungen an die vielen tausend ermordeten Menschen haben mich sehr bewegt. Mit dem Beitritt zum Riga-Komitee unterstützt die Stadt Borken die so wichtige Erinnerung an die deportierten und ermordeten Juden.“, so Mechtild Schulze Hessing.

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